Multisportwoche 2002

Diese findet schon seit Jahren für Blinde und Sehbehinderte statt und wird von Kursleiter Karl Mayr organisiert. Wenn nicht der Schießsport im Angebot gewesen wäre, hätte ich mir als Laufanfängerin heuer noch nicht zugetraut, mich unter die meines Erachtens nach Spitzensportler zu mischen. Doch unter diesen Voraussetzungen trat ich die Reise ins Bundessport- und Freizeitzentrum an.

Obertraun liegt im oberösterreichischen Salzkammergut am Südende des Hallstättersees im Norden des Dachsteinmassives in 518 m Seehöhe.
Das Quartier war sauber, geräumig und schön. Andrea und ich teilten ein komfortables Zweibettzimmer, wo mir besonders der große Kasten und viele Ablageflächen positive Dienste leisteten.

Im großen und halligen Speisesaal hatte ich ein bisschen Probleme bei der Selbstbedienung am Buffet. Mit einem Sehrest ist es gar nicht so einfach zu erkennen, welcher Salat in den Schüsseln angerichtet ist und wenn es frisches Obst gab, war ich zu langsam um mein Lieblingsstück zu erwischen. Durchsichtige Karaffen mit Wasser in ebenfalls durchsichtigen Gläsern sind kontrastarm und ich war da manchmal auf Hilfe angewiesen. Das stört mich ein bisschen, denn ich schätze meine Unabhängigkeit und tue mir schwer damit, Hilfe anzufordern oder sie auch anzunehmen. Doch das ist ein typisches Sehbehindertenproblem und war das einzige, was mir in dieser Woche ein bisschen unangenehm war.

Der Schießstand war hell und wir hatten Platz genug, uns equipment- und standmäßig auszubreiten. Unser Trainer Franz hatte auch sein Gewehr mitgenommen und schoss ebenfalls „stehend“ wie Andrea, Kurt und ich. Weil er Linksschütze ist und neben mir trainierte, konnte ich mir genau ansehen, worauf er achtet und habe wichtige Details dazugelernt.

Franz steht selbst zielend und konzentriert neben mir

Ich knicke oft mit dem rechten Knie ein, doch gerade fest am Boden stehen bietet die bestmögliche körperliche Stabilität. Bisher hielt ich die Waffe mit der linken Hand fest, doch das begünstigt das Verkanten. Alle Schützen legten ihr Gewehr auf den Handrücken, wo es sicher und präzise aufliegt. Volle Konzentration ist genauso wichtig, wie intensive Vorbereitung und vor allem ein ruhiger Körper. Ich schieße zwar schon 14 Jahre, aber erstens kann man sich alleine nichts von jemand Anderen abschauen und zweitens lernt man nie aus.

Weil ich seit Jänner laufe, interessierte mich vor allem das Lauf-ABC, das Charly leitete. Ich war zwar dort eine Anfängerin, doch ich scheute mich trotzdem nicht, bei mir ungeläufigen Ausdrücken wie z.B. skippen oder anfersen nach deren Bedeutung zu fragen. An Koordination, Reaktion und Laufökonomie habe ich viel Neues erfahren. Gleichgewicht und Orientierung sind Dinge, an denen ich noch arbeiten muss, genauso wie an der Grundausdauer. Nach diesem Regenerationswochenende freue ich mich schon darauf, beim nächsten Lauf die neu gewonnenen Erkenntnisse einzubauen.

Dehnen bei Magda war für mich auch eine ganz neue Erfahrung. Ich hatte wohl in Büchern oder im www verschiedenste Dehnungsübungen gesehen, doch wenn man sie in der Gruppe unter professioneller Leitung ausübt merkt man erst, worauf es wirklich ankommt und was man genau wann, wie lange und in welcher Form stretchen sollte. Ich hätte mir mit der Videokamera Aufzeichnungen machen sollen, damit ich auch daheim fachkundige Anleitung habe. Doch ich weiß jetzt im Groben, worauf ich aufpassen muss und dass ich an meiner Gelenkigkeit noch sehr viel zu arbeiten habe.

Die Kraftkammer taugte mir auch sehr. Die Geräte waren ähnlich wie in meinem Fitnesscenter und so konnte ich mein Programm ohne Einschulung durchführen. Magda erklärte mir dann und wann, wo ich besondere Sorgfalt auf welche Muskelgruppe legen sollte und ich weiß jetzt, dass der Trizeps meine große Schwachstelle und auch die Bauchmuskulatur noch sehr labil ist.

In der Freizeit nach dem Mittagessen gingen wir entweder an den Hallstätter See, der mir jedoch zu kalt war oder in den relativ neuen Swimmingpool, wo ich mich gerne aufhielt. Dort relaxte ich im Wasser oder am Beckenrand und genoss die herrlich sommerlichen Tage.

Ich sitze relaxend auf einer Bank am Hallstätter See

Die Umgebung war beeindruckend. Obertraun ist umrahmt von Bergen und das Bundessportzentrum könnte schöner nicht liegen. Der Himmel war tiefblau und klar und abendliches Wetterleuchten ergänzte die romantischen Gefühle in mir. An einem einzigen kühlen Tag unternahmen Franz, Andrea und ich einen Berg- und Waldlauf. Ich plagte mich zwar redlich mit dem Tempo und der Steigung, weil ich konditionell noch nicht so gut war wie die Beiden, doch ich genoss diesen einmaligen Lauf in so einer herrlichen Bergwelt. Auch die Laufbahn lag am Waldrand und ein Morgenlauf war der ideale körperliche Start in den Sporttag.

Ich werde weiterhin 4 – 5 Tage in der Woche laufen, dehnen oder ins Fitnesscenter gehen. Gibt es nächstes Jahr wieder eine Multisportwoche, bin ich sicher dabei.

Ich möchte mich bei Charly für die ausgezeichnete Organisation bedanken, wie auch bei allen Betreuern, die uns Sehbehinderten und Blinden ein tolles Sportangebot zur Auswahl stellten.


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Letztes Update 16. Juli 2002
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