Günther und sein Bruder Willy schießen seit einigen Jahren Großkaliber beim Heeressportverein (HSV) in Stammersdorf. Das ist ein Ortsteil des 21. Bezirkes von Wien. Den Oberschützenmeister (OSM) Tauber kenne ich seit meiner Tätigkeit als Telefonistin beim Bundesheer. Er ist selbst Luftgewehrschütze und war stets darum bemüht, dass ich eine ordentliche Schießbekleidung bekam. Er machte mir das Angebot, dass ich auch in seinem Verein trainieren könne, was ich mit Freuden annahm. Die Stände in der Lufthalle sind schallgedämpft und es riecht nach frischer Luft. Im HSV bin ich von Menschen umgeben, die ebenfalls Schützen sind, mich akzeptieren und keine Probleme damit haben, dass ich als Sehbehinderter ohne sehende Aufsicht alleine trainiere, im Gegenteil. OSM Tauber – ich kenne bisher nur ihn wirklich gut – kommt mir in jeder nur erdenklichen Weise entgegen und ich fühle mich integriert und in keinster Weise als „behinderter Mensch“ behandelt.
So habe ich dort - neben dem BBI - ein neues Trainings"zuhause" gefunden und bekam – wie jeder andere Schütze – eine Identity-Card und den Schlüssel für die Lufthalle, um jederzeit trainieren zu können.

Das gab mir erneuten Auftrieb und so nahm ich - alleine, ohne Betreuer oder Günther bzw. Willy - an den österreichischen Staatsmeisterschaften 2003 im Sportschießen für Behinderte in Hopfgarten (Tirol) teil.
Jeder Handgriff saß:
Der Aufbau des
Fotoständers, auf den der Halogenspot montiert wird.
Verlängerungskabel und
Steckdose für die Stromversorgung anschließen.
Die richtige Entfernung des
Lichtes zum Kugelfang ausrichten.
Das Stecken der Scheiben und Einschießen
meines Gewehres.
Vor jedem Bewerb bekommt der Schütze Probescheiben, damit man
gegebenenfalls noch Änderungen (Feinjustierung am Gewehr etc.) vornehmen konnte. Ich legte mir meine Uhr vor
mich hin, damit ich die Zeitdauer nicht überschritt. Meine Lesebrille hatte ich
umgehängt, die Liste, wo ich jeden
Schuss aufschrieb. lag links neben mir wie auch die Wettkampfscheiben. Wohl
diese erlernte Selbständigkeit, vielleicht auch die Kondition durchs Laufen und die Muskelkraft
durchs Training im Fitnesscenter, haben mir zur zweifachen Staatsmeisterin
verholfen.
Im Bewerb „stehend
aufgelegt“ erreichte ich 400 von 400 möglichen Ringen.
Im Bewerb „stehend frei“
erreichte ich 389 von 400 Ringen und somit Österreichrekord.
Dieses Comeback
freut mich riesig und macht mich zugleich stolz. Ich habe es aus eigener Kraft
geschafft, wieder vorne mitmischen zu können, wie einst als ich Europameisterin
wurde.
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Letztes Update 21. September 2003
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