Die Gebärdensprache ist eine eigenständige visuelle und natürliche Sprache, die von gehörlosen Menschen zwecks Kommunikation verwendet wird. Sie besteht aus kombinierten Hand- und Fingerbewegungen. Wichtig ist auch die Mimik und das Lippenablesen.
Da meine Freundin Gabi "gebärden" kann, überlegte ich, ob ich als Sehbehinderte das auch erlernen könnte. Da ich ein neugieriger und lernfreudiger Mensch bin, wollte ich es wenigstens versuchen. Es ist jedoch gar nicht so einfach, erstens die Abbildungen und zweitens die Gebärden, die sie mir zeigte, zu erkennen. Manchmal muss sie mir die Hände bzw. Finger zurechtformen, da ich nicht so genau abschauen kann.
Weil ich es bisher nicht gewohnt war, auf meine Mimik zu achten, vergesse ich, sie zusätzlich zu den Gebärden einzusetzen. Als Sehbehinderte unter Sehbehinderten oder Blinden war meine Mimik nie wichtig und so verkümmerte sie teilweise, wie meine Gesten. Auch dieses Defizit aufzuarbeiten, erfordert viel Übung, Gabis Feedback und ihre ständigen Erinnerungen daran
Die Koordination, richtig zu gebärden und auf ein verständliches Gesichtsbild zu achten, ist für mich sicher schwerer als für normalsichtige Menschen. Ich bin laut Arbeitsunterlagen zur Zeit zwar erst im ersten Semester, gebe es aber nicht auf weiter zu lernen, denn mich hat der Ehrgeiz gepackt. Mit ein Grund ist auch, dass gerade ich weiß, welche Barrieren und Hürden es für behinderte Menschen gibt. Im Rahmen meiner Möglichkeiten möchte ich dazu beitragen, wenigstens einen Bruchteil davon abzubauen.
Ich werde oft von blinden Menschen gefragt, ob es möglich ist, dass auch sie die Gebärdensprache erlernen. Darüber vermag ich kein Urteil abzugeben. Ich kann nur von mir sagen, dass ich mit 16 – 20 % Sehkraft bereits Probleme habe und sicher eine längere Lernzeit benötige, als beispielsweise sehende Menschen. Ich könnte auch nicht in einer Gruppe lernen, genieße also den Einzelunterricht bei Gabi.
Einige Fragen beziehen sich auch darauf, wie lange man braucht, bis man mit gehörlosen Menschen „sprechen“ bzw. dolmetschen kann. Wenn ich von mir ausgehe, brauche ich schon 6 – 8 Semester, um mich ein bisschen unterhalten zu können. Zum dolmetschen wohl weit länger. Das ist, so denke ich, jedoch von Mensch zu Mensch verschieden und hängt auch davon ab, wie intensiv man Kursangebote nutzt, bzw. selber lernt.
Ich hoffe, nan kann auf den selbst gemachten Fotos meine Gebärden erkennen. Für sehbehinderte bzw. blinde Menschen habe ich eine detaillierte Beschreibung erstellt. Ob es mir gelungen ist, wird das Feedback zeigen.
Ich habe in den wenigen Monaten für mich persönlich viel gelernt. Ich schaue mein Gegenüber direkt an, achte auf mein Gesichtsbild und welche Gesten ich einsetze. Manchmal ertappe ich mich, bei Erklärungen zu gebärden, um dem Gesagten mehr Ausdruck zu verleihen *lächel*. Meine neue Haltung anderen Menschen gegenüber macht mich selbstsicherer und offener, was mich erst recht motiviert, weiterzulernen.
In der folgenden Linkübersicht möchte ich nur einen kleinen Einblick in die Gebärdensprache geben, damit Nichtwissende eine ungefähre Ahnung davon bekommen.
Letztes Update 03. Juli 2007
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